Liebe Dummfuger,
heute möchte ich euch eine wahre Geschichte erzählen, die tatsächlich ziemlich exakt so passiert ist, wie hier beschrieben:

Vor einigen Wochen habe ich mir ein anderes Auto zugelegt. Endlich war der Tag, an dem ich es abholen konnte. Davor noch schnell zur Zulassungsstelle, altes Auto abmelden,
neues Auto anmelden, zum Händler fahren, Spaß haben… Meine Freundin hatte sich auch freigenommen und wollte mitkommen.
Gesagt, Getan. Naja, fast. Um etwas Geld zu sparen, wollte ich das Kennzeichen des alten Autos mitnehmen. Dass dies möglich ist, wusste ich.
Nun, wir also zur Zulassungsstelle (Kreisverwaltungsreferat, Bürgerbüro München-Milbertshofen, wen’s interessiert). Nummer ziehen, 15 Min. warten (ging eh schnell), aufgerufen werden, rein ins Großraumbüro.
von den ca. 15 Plätzen waren drei belegt, ich würde sagen: normal für einen Montag vormittag…
Es begrüßte uns Herr Ohse: „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“ Ich sagte: „Ich würde gerne mein altes Auto abmelden, und dass neue mit dem gleichen Kennzeichen wieder anmelden.“ Herr Ohse sagte: „Puuuuuuuuuuuuuuuuhhhhhhhhhhhhhhh…“ (lange Pause), „das weiß ich aber nicht, ob ich das heute hinkrieg.“
„Das sollte aber eigentlich kein Problem sein, das sagte mir zumindest die Dame an der Info“, sagte ich.
Herr Ohse schaute sparsam. „Söööörenn“ (der Kollege rechts), „Sören, sag mal, kann ich ein Auto mit dem gleichen Kennzeichen… also… direkt… also sofort…. ähhh…?!“
„Ja klar, das ist doch einfach. Da brauchst du doch nur die Reservierung eintragen.“ sagte Sören.
„Also schön, dann versuchen wir das mal.“, meinte Herr Ohse und ich dachte mir: „Wenn das mal gutgeht.“, und meine Freundin verdrehte schon die Augen.

Herr Ohse war ca. 45 Jahre alt, Typ Jeans und Karohemd, etwas dümmlicher Gesichtsausdruck, an dem auch die Brille nichts ändern konnte, etwas zu klein für sein Gewicht und durch und durch Beamter. Aber das erfuhren wir erst später. Herr Ohse fing an, wie besessen auf seiner Tastatur rumzuhämmern. Nicht einfach nur ein fester Anschlag, nein, er verdrosch die Tastatur regelrecht mit seinem 2-Finger-Adler-Suchsystem. Währenddessen stöhnte Herr Ohse immerwährend, als wollte er so zum Ausdruck bringen, wie schwer er es doch habe.
Offensichtlich hatte er seine liebe Not mit der ihm gestellten Aufgabe.
Der Mausklick hörte sich auch eher wie ein Maus-KLACK an. Arme Maus, dachte ich mir.

Nun, einige Zeit verstrich so, bis Herr Ohse damit fertig war, auf Maus und Tastatur einzuhacken.
Das Ergebnis seiner Bemühungen sollte wohl ein ausgedrucktes Blatt Papier sein, auf dem dann die Daten stehen sollten.
Doch das schien nicht so recht zu funktionieren:
Herr Ohse sagte: „Der druckt nicht!“ (20 Sek. Pause). „Wieso druckt’n der jetzt nicht?“ (20 Sek. Pause). „Ooooohhhh, was issn des für ne Scheiße hier.“

Herr Ohse versuchte verzweifelt, den Drucker zum Funktionieren zu bringen. Er stieß den Druckauftrag ca. 4-5x an, was jedoch den selben Effekt hatte: gar keinen.
Er stand auf, sah den Drucker grimmig an, als wollte er ihm drohen, und drückte wahllos auf irgendwelche Tasten. Ohne Erfolg.
Dann ging Herr Ohse um seinen Schreibtisch herum, begleitet von „Stöhn“- und „Ächz“-Lauten.
Er versuchte es mit Ein- und Ausstecken aller vorhandenen Stecker. USB raus-rein, nochmal USB raus-rein, dann Strom raus-rein, nochmal Strom raus-rein.
Er begutachtete sein Werk, jedoch der Drucker strafte ihn noch immer. Hat alles kein Zweck.
„Ahhh-ächts, Der druckt ja immer noch nicht“, sagte Herr Ohse.

Dann ging er wieder zurück zu seinem Arbeitsplatz und sah erstmal aus dem Fenster. Geschlagene 2 Minuten. Offensichtlich versuchte er jetzt seinerseits, den Drucker zu ignorieren. Dieser tat immer noch nichts.
Sein Kollege Sören warf mir einen mitleidigen Blick zu, den ich erwiderte. Der Arme muss den Typ jeden Tag ertragen.
Dann kam Herr Ohse wieder: „Was will denn der von mir?“ fragte er, und ich hatte keine Antwort darauf. „Versuchen Sie’s mal mit einem Neustart“, sagte ich in meiner kindlichen Naivität. „Das geht nüscht, sonst sind die ganzen Daten weg!“ erklärte mir Herr Ohse. Da hatte er vermutlich recht. Ich wollte es auch den Eingabegeräten nicht zumuten, das alles nochmal zu durchleben. „So ne Scheiße, ich hätte heute zu Hause bleiben sollen!“ sagte Herr Ohse dann. Ich antwortete ohne Nachzudenken: „Das Gefühl hab ich auch…“
und bereute es sofort. „Für die Technik kann ich doch auch nix!“ fuhr mich Herr Ohse an, worauf ich leicht säuerlich entgegente: „Das hab ich ja auch garnicht gesagt!“
Offenbar hatte er eine lange Nacht hinter sich.
Sören hatte inzwischen mindestens 4 Leute abgefertigt. Für ihn schien nichts ein Problem zu sein. Er war auch noch freundlich dabei.

Plötzlich (wir waren inzwischen ca. ne dreiviertel Stunde auf dem Amt), hatte Herr Ohse eine Eingebung: „Will der jetzt vielleicht neue Patronen von mir?“
Ich antwortete nicht. Ich dachte nur: „Bitte bitte, lass ihn jetzt nicht die Technik anrufen, dass einer zum Patronen tauschen kommen muss, bitte bitte!“
Mein Wunsch wurde erhört. Herr Ohse stand auf, ging zu einem Schränkchen, wühlte dort ca. 3 Minuten in den Eingeweiden des Schrankes und förderte tatsächlich die richtigen
Ersatzpatronen zu Tage. Auf dem Rückweg sah er nochmal eine Minute lang aus dem Fenster. Einfach so. Ich glaube, er wünschte sich gerade sehr sehr weit weg von hier.

Nach weiteren 10 Minuten war es endlich vollbracht. Die Druckerpatronen waren gewechselt, der Drucker spuckte ein Blatt Papier aus, Herr Ohse nahm es, begutachtete es,
nickte wissend (und auch ein klein wenig erleichtert), und ich dachte: „Jetzt hast du’s bald geschafft“.
Weit gefehlt.
Ich hatte bis jetzt lediglich das Formular erhalten, mit der mich Herr Ohse dann zur Kasse schickte. Dort bekäme ich auch die neuen Aufkleber für mein Kennzeichen, sagte er.
Dass das dann reibungslos klappte, wunderte mich schon fast. Inwzischen war ja auch erst eine Stunde vergangen (Ohne Wartezeit!!!)

10 Minuten später stand ich wieder bei Herrn Ohse auf der Matte. Meine Freundin blieb im Warteraum. „Ich kann da jetzt nicht nochmal mit reingehen, sonst dreh ich
dem Typ noch die Gurgel um“, sagte sie.
„Jaaaa, Herr Runrig, ich muss Ihnen ja jetzt neue Papiere für Ihr Fahrzeug erstellen, nicht?!“ begrüßte er mich schief lächelnd. Ich wunderte mich.
Ich war der zweite Besitzer des Wagens und hätte somit noch keine neuen Papiere gebraucht. Ich fragte nach: „Warum? Sind die alten nicht mehr gut?“
Kurzes betretenes Schweigen seitens Herrn Ohse.
Dann: „Naja, also, ähhh, ich … äh… also, mir ist da ääähhh… ein … kleines Missgeschick… äääähhh, unterlaufen…“
Ich sagte so lapidar: „Hat der Drucker die Papiere gefressen?“
Herr Ohse wurde knallrot im Gesicht: „Na nee, also äähh, nicht direkt, äähhhh….“ und zeigte mir meinen Fahrzeugbrief.
Offensichtlich hatte Herr Ohse, als der Drucker nicht so wollte wie er, alle möglichen Sachen versucht auszudrucken, unter anderem auch eine Testseite.
Ihr ahnt es schon… Diese Testseite prangte jetzt wunderbar bunt auf meinem Fahrzeugbrief… Das ist echt kein Witz! Dieser Depp hat tatsächlich eine Drucker-Testseite
auf meinem Fahrzeugbrief ausgedruckt!

„Das ist jetzt nicht ihr Ernst, oder?“ fragte ich Herrn Ohse. Dieser nickte. „Doch. Tut mir leid, ich weiß auch nicht…, aber die neuen Papiere brauchen Sie nicht zu bezahlen!“
Das wäre ja auch noch schöner.
„Den Brief will ich mitnehmen!“ sagte ich. Herr Ohse schüttelte den Kopf. „Das geht nicht“, sagte er. „Doch, das geht!“, sagte ich. „Wie zum Geier soll ich denn sonst beweisen, dass ich der zweite Besitzer des Autos bin? Zahlen Sie mir den Wertverlust? Stempeln Sie mir diesen Brief ungültig und geben ihn mir mit, aber schnell, ich hab heut noch was
anderes vor!“ fuhr ich dann Herrn Ohse an. Zögernd verschwand er nach nebenan, kam 5 Minuten später wieder mit dem ungültig gestempelten Fahrzeugbrief.
„Na also“ sagte ich. Und endlich, endlich war ich aus den Fängen der Bürokratie entlassen.

Draußen angekommen unterhielt ich mich mit meiner Freundin über diesen „Sponk“, als er uns aus einem Nebeneingang entgegenkam. Er musste erstmal eine rauchen nach
diesem Stress.
Ich dachte: „Wenn der Typ meinen Job hätte, der wäre nach dem Einstempeln schon vollkommen erledigt!“

Tja, was soll ich sagen. Herr Ohse hat es innerhalb von 5 Minuten geschafft, sämtliche Beamtenklischees zu bewahrheiten und hat sie mir über eine Stunde lang vorgelebt.
Armer Kerl.
Aber wenigstens hat mein Auto jetzt einen Spitznamen. Es heißt „Herrn Ohses Albtraum“.

Euer runrig